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Die Sippe Tagarod
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Dieses Thema hat 13 Antworten
und wurde 441 mal aufgerufen
 Taverne
Rökkvi Offline




Beiträge: 221

15.11.2009 17:29
Was einmal seinen wird..... antworten

Wir haben uns 500 Jahre lang einfrieren lassen, um uns das Reenactment in der Zukunft anzuschauen. Hier ein Bericht:

Wir betreten das Gelände zu Mittagszeit. Es ist etwa so groß wie ein Fußballplatz. Überall stehen Wohnwagen, Gartenhäuschen, Campingzelte, Bauwagen...
Der Veranstalter hat als Datum das Jahr 1985 festgelegt. Wir kommen rechtzeitig zur authentischen Atomkraft-Demonstration. Die Schlachtreihen haben sich bereits aufgestellt:
Auf der Seite der Demonstranten stehen insgesamt etwa 30 Leute bestehend aus 5 Hippies, 10 Rockern 3 Punks, 6 Rappern und 6 Managern.
Auf der Seite der Polizisten stehen 25 Leute bestehend aus 10 Oberhauptkomissaren, 3 einfachen deutschen Polizisten, 4 englischen Polizisten, 2 Bundeswehrgenerälen, 5 Boxern und einem UNO-Blauhelm.
Ich gehe zu der Seite der Polizisten, um ein bisschen nachzufragen. Leicht komme ich mit 2 Oberhauptkomissaren ins Gespräch. Stolz zeigen sie mir ihre Waffen, eine Bockbüchsflinte aus dem Jahr 1965 und ein Bundeswehr G-11 aus dem Jahr 2023.
"Eigentlich haben ja nur einfache Polizisten gegen Demonstanten gekämpft, aber die Rolle des Oberhauptkomissars steht mir irgendwie besser, finde ich", erklärt mir einer der beiden.
Sein Kumpel lehnt sich zu mir rüber: "Und es hätte ja sein können, dass die einfachen Polizisten gerade streiken, und dass deshalb ein paar höhere Dienstgrade für die Demo eingeteilt wurden."
Die beiden Bundeswehrgeneräle, die sich gerade noch mit dem UNO-Blauhelm unterhielten, erzählen mir, dass es zur Jahrtausendwende irgendwo üblich war, dass Soldaten der Polizei geholfen haben. Dann wird das bestimmt auch mal bei so einer Demo in Deutschland 1985 gegeben haben. Der UNO-Blauhelm mischt sich ein: "Und damit der Streit zwischen Polizisten und Demonstranten nicht eskaliert, hat man UNO-Truppen eingesetzt!" Er nickt, mit sich selbst zufrieden.
Ich frage einen der Boxer, was er denn auf der Seite der Polizisten verloren habe. Völlig begeistert erzählt er mir, er sei Muhamed Ali, und er wäre gerade zufällig vorbeigekommen, als er die Demo sah. Da hätte er seine Hilfe angeboten, die die Polizisten natürlich gerne angenommen hätten, da so ein Boxer ja ein toller Kämpfer ist. Die vier anderen Boxer stellen sich als Rocky, Henry Maske, Muhamed Ali und Muhamed Ali vor.
Ich komme mit den englischen Polizisten ins Gespräch. Es sind vier Freunde, die sich für die englische Geschichte der Jahrtausendwende interessieren. Ich bekomme die Information, die englische Polizei hätte keine Waffen getragen, deshalb müssten sie jetzt wie die Demonstranten mit Pflastersteinen kämpfen.

Ich gehe zur anderen Seite, um ein Streitgespräch zwischen einem Manager und einem Punk einerseits und einem Rocker andererseits zu beobachten:
Rocker: "Das ist aber auch nicht ganz authentisch, Manager haben doch nicht demonstriert!"
Manager: "Natürlich, da gab es bestimmt auch welche, die gegen Atomkraft waren!"
Punker: "Klar, und die haben dann den Polizisten eins auf die Mütze gehauen!"
Rocker: "Das habe ich aber noch auf keinem Bild gesehen!"
Manager: "Doch, da gab es einen Manager namens James Bond, der hat in Russland auch mal gegen Polizisten gekämpft."
Rocker: "Ich dachte, der war Agent!"
Manager "Jaja, und bestimmt auch Manager. Der hat doch auch Jakett und Krawatte an. Das hatten die Manager damals alle, also ist James Bond auch Manager".
Ein Hippie mischt sich ein: "Kennt ihr schon die Theorie, dass es James Bond gar nicht gegeben hat?"
Punker: "Ja ja, alles klar! Von diesem Spinner, der behauptet die Ewings in Dallas und die Carringtons in Denver seien eine Fälschung von Leo Kirch!"

Dann werde ich aufgefordert, das Feld zu verlassen, denn die Demo geht gleich los.
Die Reihen stehen sich gegenüber, und die Demonstranten rufen: "Atomkraft nein danke! Atomkraft nein danke!"
Die Seite der Polizisten schreit aus vollem Halse im Chor: "Atooooooooomkraaaaaaft!" und greift die Demonstranten an. Diese werfen sofort mit Styropor-Pflastersteinen. Ein Hippie ruft zu einem Hauptkomissar: "Ich habe es genau gesehen, du hast 3 Steine abbekommen. Du bist tot!"
Die Polizisten kämpfen erbittert und setzten alle Waffen ein. Diesmal ist sogar ein nach Abbildungen rekonstruierter Wasserwerfer dabei. Gummiegeschosse werden aus nachgebauten 2. Weltkrieg-Mörsern geworfen, als Tränengas benutzt man Kunstnebel. Ein Punker erobert den Wasserwerfer. Damit ist die Schlacht für die Demonstranten entschieden.

Danach mische ich mich in das Markttreiben.
Mir stellt sich der deutsche Bundeskanzler vor: Ein großer kräftiger Mann, der sich Gerhard Kohl nennt. Er sagt, er hätte zwischen 1940 oder so und 2005 regiert. Er könne eine so hochgestellte Persönlichkeit darstellen, denn er habe noch zwei Minister im Gefolge. Franz Josef Strauß und Joschka Fischer. Zwei Jungs, beide etwa 20 Jahre alt, stellen sich vor. Einer trägt einen Jogginganzug. Der andere hat einen 5 Liter Bierkrug am Gürtel hängen, und trägt ein Gewehr auf dem Rücken. "Strauß war Bayer und Jäger!" lässt er mich wissen. "Und die Bayern haben immer Bier aus so großen Krügen getrunken!"
Ich sehe, wie sich zwei Manager (der ganze Markt ist im übrigen voll mit Managern), die direkt nebeneinander stehen, mit ihren Handy - Attrappen unterhalten. Auf meine Frage, was das soll, kramt einer der beiden aus seiner Tasche ein kleines Display, und führt mit einen Werbespot mit einem bekannten deutschen Fernsehkommisar vor. "Dieses Filmdokument stammt wohl aus dem Jahr 1990 oder 2000 oder so, und belegt, dass man sich damals immer mit dem Handy unterhalten hat, auch wenn man sich auch so verstehen konnte."

LG:Flo

Seit ihr bereit Blut zu vergießen?
*Schwester Pflaster!!!*

Rhiannon Offline




Beiträge: 873

15.11.2009 17:47
#2 RE: Was einmal seinen wird..... antworten

Ach nein, wie schön!!! Ja Du hast recht, genau SO wird es sein, gg

Blessed be
Rhiannon

Norwin Offline




Beiträge: 114

16.11.2009 09:41
#3 RE: Was einmal seinen wird..... antworten

Jau, die Geschichte hab ich auch schonmal gehört.

Damals waren wir auf dem Weg nach Oerlinghausen zu diesen Wikingertagen.
Auf dem Weg vom Parkplatz zum Gelände erzählte mir eine (Ex)-Bekannte, die sehr stark in A-Szene vertreten war/ist, genau diese Geschichte.
Als ich am Ende wirklich ernsthaft meinte: "Ja, genau so wird es sein", war dies der Beginn eines ewig langen Streitgesprächs.

Heute weiss ich es besser. Theoretisch würde es ganz klar genau so ablaufen, allerdings werden hier Äpfel mit Birnen miteinander verglichen, denn in 500 Jahren hätte man (ausgenommen mal einen Atomkrieg ) vieeeel mehr detailierte Informationen als wir heute z.B. übers Frühmittelalter haben.

Aber is ne nette Geschichte die genau das wiederspiegelt was wir heute auf dem Märkten immer wieder erleben.


Goschi Offline




Beiträge: 2.672

16.11.2009 12:20
#4 RE: Was einmal seinen wird..... antworten

In 500 Jahren haben "wir" sicher - wenn überhaupt - Frümi, da ist mein Lager Gegenwart


3 Dinge kommen nie zurück: Der abgeschossene Pfeil; Das gesprochene Wort; Die verpasste Gelegenheit.
Tradition ist nicht die Aufbewahrung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers

Rökkvi Offline




Beiträge: 221

17.11.2009 11:18
#5 RE: Was einmal seinen wird..... antworten

Nowin das sowas polarisiert ist mir schon klar. Ich hab´s mir durch gelesen und denke das ich etwas entspannter in die mittelalterlich historisch korrekten darzustellung seinen sollte.
Es ist schon komisch das wie ernst man das hobby nehmen kann.Was ich hier auslerne ist immer zusagen das alles interpetation ist und man sich nie dazu hinreissen lassen sollte zusagen " genau so war es ".

Hab die geschichte in www gefunden und wollte noch einen schönen komentar dazu schreiben aber lieder hat mich die arbeit dann unterbrochen.
Ich hoffe ich habe niemandem auf den schlips getreten?

In 500 jahren wir es sowoe so keine veranstalltungen solcher art geben. Die Leute sind dann wahrscheinlich viel zu sehr damit beschäftigt, ihren arsch vor mutternatur in sicherheit zu brinngen.*wenn das so weiter geht mit den globalklima* oder aber auch nicht wer weiss

Rhiannon hat verstanden was ich mit diesem post ausdrücken wollte, denke ich .....

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Norwin Offline




Beiträge: 114

17.11.2009 11:42
#6 RE: Was einmal seinen wird..... antworten

geht mir ja genau so.

Deshalb bin ich froh, das es nun Phantasie Spectaculum heisst. Weil ich persönlich finde, das wir alle nix anderen machen. Auch die Gruppen, die in Oerlinghausen, Archeon, Haithabu und Co stehen.

Aber das können die gerne anders sehen, weil ICH bin da tolerant


Leiftri Petersson Offline




Beiträge: 303

17.11.2009 15:15
#7 RE: Was einmal seinen wird..... antworten

Genau DAS ist der Punkt - einige der Leute nehmen das Ganze viel zu ernst. Man kann ihren Aufwand, den sie für eine GUTE Darstellung aufbringen, einfach nur bewundern - allerdings sollte man sich unterdessen nicht verbohrt zeigen und seine Darstellung als die einzig richtige vertreten.



Aber solche Spannungen wird es in unserer Szene immer geben, die Frage ist nur, wie entspannt wir damit umgehen (können) und wie verbissen die jeweilige Seite diskutieren will...

____________________

"In meiner Welt fressen die Ponys Regenbögen und pupsen Schmetterlinge!"


In Birka wurden keine Kupferkabel gefunden - das BEWEIST: Sie hatten Bluetooth!!!!


Cillit Bang ist der größte Feind des Birkadarstellers. Es beseitigt nämlich Öl und Rus(s)...
Und: Wer sind eigentlich die Öl???

Goschi Offline




Beiträge: 2.672

17.11.2009 17:30
#8 RE: Was einmal seinen wird..... antworten

Eine Darstellung wird immer nur ein Abbild sein, dass irgendwie verpackt sein muss. Im Museum hat sich ja auch noch niemand über die Leuchtstoffröhren aufgeregt oder die Frage gestellt: "Haben die ihr Werkzeug früher wirklich in solchen Schaukästen abgelegt?" Aber bei den Lager wollen manche, dass man sich am liebsten die Zähne ausbricht.
Davon abgesehen, sollte man auch auf Phantasie und Intelligenz der Besucher vertrauen. Ohne dem kann man sich weder im Museum noch im Lager eine Vorstellung von früher machen.

Es gibt ja auch nirgends eine Definition, was MA- Darstellung ist. Es sollte ein jeder selbst für sich seine Ziele in seinen Hobby verwirklichen können, wobei natürlich Grenzen z. B. durch Anforderungen der Veranstalter gestellt sind. Salopp gesagt, könnte man sich auch Kleidung aus Papier anfertigen und bemalen, was man dann aber höchstens auf eigenem Grundstück verwenden könnte


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Norwin Offline




Beiträge: 114

17.11.2009 18:50
#9 RE: Was einmal seinen wird..... antworten

Aber ein Argument von der "anderen Seite" war ja tatsächlich immer:
"Ihr habt eine gewisse Verantwortung dem Besucher gegenüber".

Jemand der an einem historisch falschen Lager (was da genau falsch wäre kann man warscheinlich in stundenlangen Gesprächen nicht klären, aber ich schreibs nun einfach mal so salopp dahin) vorbei geht, nimmt ungefragt Eindrücke mit, die ihm dort vermittelt werden, die sich nachher als falsch raus stellen könnten.
Heisst also praktisch: Ein kleiner Junge läuft über einen Wikingermarkt, sieht ein Lager wo alle Hörnerhelme aufhaben und erzählt genau das dann in der Woche drauf in der Schule, und behauptet natürlich das es stimmen würde.

Ich persönlich seh das ja nu anders mit der Verantwortung. Kinder nehme ich da mal raus, klar, die nehmen Dinge ungefragt auf, und da kann es zu Mißverständnissen kommen, aber das ist überrall in der Welt so, nicht nur auf Märkten. Falsch interpretiert werden kann immer, gerade bei den Kleinen.
Aber der Erwachsene kann nachfragen (ein Kind ab einem bestimmten alter natürlich auch).
Baselt also ein Besucher an einem "falschen" Lager vorbei und nimmt diese Eindrücke mit ohne Nachzuhacken ist er einfach mal selber Schuld. Das is nich mein Bier.
Das gute jetzt is, es heisst eh schon Phantasie Spectaculum, das heisst die Leute werde geradezu genötigt sich zu informieren ob irgendwas dort "echt" ist.

Im Archeon zum Bleistift sieht das ganz anders aus, da steht draußen groß dran "Wikingertage im Archeon". Und es wird auch damit geworben wie "authentisch" dort doch alles ist.

Vielleicht war einer von euch schonmal da. Da stehen nicht nur Wikingerlager, das isn bunter Haufen. Dazu kommt, das viele Heerlager (natürlich) auch ganz viele zweifelhafte Gegenstände in ihrem Lager haben.

Anders als beim Spectaculum haben die sehr wohl eine Verantwortung, das ist eine "Museumsveranstaltung", die Besucher kommen dort hin und glauben blind das alles echt ist. Is ja Museum.
Und wie viele von den Lagern haben draussen auf einem Schild stehen das es alles nur Interpretationen sind? Ich hab nicht eins gesehen.
Und wie viele Besucher bleiben an einem Lager stehen und informieren sich? Wenige.

Wenn die nachher im Bekanntkreis irgendwas erzählen berufen sie sich drauf sie es in einer VA vom Museum gesehen haben.

Es hat sich also eine ganz neue Form der Volksverarschung gebildet.
Normale Menschen die sich auf das Podest eines Archeologen o.ä. stellen, und von einem Museum die Chance bekommen ihr gefährliches Halbwissen an den ahnungslosen Besucher weiterzugeben.
In der heutigen Zeit ist es dem Museum ja auch egal, den geht es nur ums Überleben, darum im nächsten Jahr wieder Fördergelder zu bekommen, also pimpen wir das ganze mit äußerst zweifelhaften, authentischen Veranstaltungen rund ums Frühmittelalter.

Ich strebe nächstes Jahr für unser Lager ganz klar Schilder an auf den erklärt wird nach welchen Faden wir unsn richten, das aber mal kaum was wirklich bewiesen wurde.

P.S. Rechtschreibfehler und falsche Kommas dürft ihr behalten.


Goschi Offline




Beiträge: 2.672

17.11.2009 19:16
#10 RE: Was einmal seinen wird..... antworten

Aus dem alten Forum ist die Idee bei mir entstanden, mal was wirklich "A" zu machen, nur ums mir mal zu beweisen. Habe vor 2 Jahren beim Kultus eine Verstanstaltung von 3 Projekttagen genehmigen lassen, welche vom Kultusministerium genehmigt wurde. Bei der Veranstaltung war auch die Geschichstlehrerin dabei, die gleichzeitig auch Klassenlehrerin war. Ich habe im Klassenraum unter Mithilfe von Sandra die 3 Tage gemacht und nebenbei bemerkt auch das Schwert von Robin Hood und Conan des Barbaren mitgebracht, denn die Schwerte sind real, wenn auch nur von Filmhelden.
Die Klasse war so begeistert, dass ich nächstes Jahr im garten mit Lager die Sache mit der gleichen Klasse und noch zusätzlichen weiterführen muss.
So kann ich sagen, mal eine Schulveranstaltung mit Bildungsauftrag die "A" ist, gemacht zu haben.
Nächstes Jahr kommt mit Genehmigung des Kultus der 2. unwissenschaftlichere Teil dran - habe heute den vetrag unterschrieben.

Was ich damit neben der Befriedigung, auch mal so ein "A" gemacht zu haben,ist: Bildung und Geschichtsunterricht ist zwar wichtig für Kinder, aber genauso wichtig ist die Entwicklung von Phantasie und Gemeinschaftssinn. Nur Leute, die das besitzen - vor allem Phantasie sind in der Lage auch in der Realität was zu bewegen.
Ich finde - für mich, in der mittelalterlichen Darstellung ist es optimal, wenn man beides verbindet und sowohl etwas geschichtliches rüber bringt als auch die Phantasie anspricht.


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Eduard Offline




Beiträge: 509

18.11.2009 07:26
#11 RE: Was einmal seinen wird..... antworten

Mein Meinung dazu habe ich auf unserer HP und und auch hier bei der Lagervorstellung ja schonmal zum Ausdruck gebracht. Der Kernteil ist eigentlich folgender,
Zitat von unserer HP: "Wir wollen uns auch nicht in irgendwelche Kategorien wie „A“, „GroMi“ oder was es da sonst noch so gibt, pressen lassen, zumal diese Begriffe, in diesem Zusammenhang, auch garnicht genau genug definiert sind.
Auf solche Fragen antworte wir immer: „Wir wollen ein ansprechendes, stil- und stimmungsvolles Lager mit Anspruch darstellen". Stets bemüht uns aus eigenem Antrieb noch weiter zu verbessern ist unser Weg (und solange ich keine Kontaktlinsen gefunden habe die ich vertrage, oder meine Augen, gerade zur Heuschnupfenzeit, einfach wahnsinnig lichtempfindlich sind, werde ich auch weiter meine nicht historische Brille tragen). Wir definieren uns an unseren Ansprüchen und nicht an denen von anderen. So sehen wir das auch im Umgang mit anderen Gruppen und Darstellern. Jeder möge es so handhaben wie es ihm gefällt. Uns alle verbindet doch ein gemeinsames schönes und spannendes Hobby!"
Zitat Ende.

Zu Museumsveranstaltungen ist bei uns folgendes zu finden,
Zitat: "Die Teilnahme an Museumsveranstaltungen, die uns auf Grund von Empfehlungen Dritter, Begutachten unseres Lagers auf Veranstaltungen oder auf Grund der Internetpräsenz angeboten wurden, haben wir bisher abgelehnt. Der Grund dafür ist recht einfach erklärt. Wir konnten unsere eigenen Ansprüche, die wir an eine solche Veranstaltung stellen, bis dato noch nicht erfüllen. Trotzdem bedanken wir uns bei allen Interessierten für die bisherigen Anfragen, da diese uns nur anspornen und wir sie als Lob betrachten. Da wir unsere Darstellung ständig verbessern, schließen wir natürlich eine Teilnahme nicht generell aus." Zitat Ende

Gerade über Anfragen von Museumsveranstaltungen bin ich selber immerwieder überrascht. Ich selber finde auf jedem Foto von uns, bei der eigenen Begutachtung unseres Lagers auf jeder Veranstaltung, einen Haufen Dinge, die uns, meiner Meinung nach, für Museumsveranstaltungen nicht qualifizieren. Und natürlich stellen wir uns auch die Frage, sind die Anforderungen von Museen an Lager gesunken, oder sind wir, vorallem ich, zu selbstkritisch. Im Endeffekt ist es aber egal was davon zutrifft, wir würden uns auf einer Museumsveranstaltung einfach nicht wohl fühlen, weil wir uns dort eben einfach deplaziert vorkämen. Und da schliesst sich der Kreis dann wieder: Wir definieren uns an unseren Ansprüchen und nicht an denen von anderen.

Ich finde es wichtig, dass man zu seiner Darstellung steht, mit allen Stärken und Schwächen die diese hat und genau das auch nach Aussen vertritt. Wichtig ist nur, dass man sich selber nicht zu einer Art Mogelpackung entwickelt. Das was wir sind, kann ich offen und ehrlich begründen und auch, wenn es sein muss, verteidigen, bei einem Blendwerk ginge das eben nicht.

Und natürlich gibt es die Klassiker, bei denen man weiss, dass die (vermeintlich) 100%igen einen darauf ansprechen werden. Darauf kann man sich ja vorbereiten. Einer der Klassiker bei uns, der mindestens gefühlte 100 mal pro Saison kommt, ist z.B. der, dass ich belehrt werde, mein Wappen sei heraldisch ja wohl unter aller Würde und ich sollte mir doch wenigstens mal ein paar Seiten im Inet zur Heraldik anschauen. Das höre ich mir dann immer ganz brav an, tue sehr interessiert und spiele hinterher den recht Hilflosen, verbunden mit dem Hinweis: "Verflixte Tat. Das hätte aber mal wer meinem Vorfahren, der dieses Wappen zu der Zeit, die wir darstellen, getragen hat auch mal sagen können. Was mache ich denn nun. Mist, jetzt leide ich unter der Unwissenheit meines Vorfahrens." Dann ist Ruhe, ich erfreue mich an einem recht sparsammen Gesichtsausdruck meines Gegenübers und nehme mir die nächste Tasse Kaffee. Meist frage ich noch: "Ist sonst noch etwas? Kann ich ihnen noch anderweitig behilflich sein?"

Und ohne die Phantasie könnte ich mir unser Lagerleben garnicht mehr vorstellen. Dadurch würde für uns unsere Experiementierfreude ja total ausgebremst. Wenn wir versuchen eine Problem zu lösen, für das wir keine Quellen finden können, überlegen wir halt, wie unsere Vorfahren dieses Problem, falls sie es denn überhaupt hatten, EVENTUELL gelöst haben könnten. Aber dadurch machen wir uns natürlich, für sich nur an der historischen Quellenlage orientierenden Mitmenschen, extrem angreifbar, für die eben nur das in einer Darstellung legitim ist, was auch an Quellen bewiesen werden kann.

Als Beispiel: Ich liebe frischen, gebackenen, Süsskram in allen möglichen Variationen. Vorallem aber Kuchen. In unserem Lage gibts zum Glück eine Dame, die dieses Naschwerk gerne herstellt. Was lag also näher, als auch auf Veranstaltungen z.B. Kuchen zu backen?
Das erste Problem: Was backen wir denn nun und wie? Wir fanden zwar römische Backrezepte, keltische und welche aus der Renaissance nur, für unsere Darstellungszeit gibts eigentlich keine Quellen. Und selbst Torten werden erst fürs Spätmittelalter erwähnt. War die Zeit um 1150-1250 wirklich eine trostlose, kuchenlose Zeit? Selbst für nen Adeligen, wie ich ihn darstelle?!? Sozusagen die Dark Ages der Backkultur. Die nächste Frage war: Wäre ein reisender Adeliger, in einem, warum auch immer, irgendwo aufgeschlagenem Lager, überhaupt auf die Idee gekommen Kuchen essen zu wollen? Quelle von nem Kuchen essenden Adeligen/Ritter gibt es meines Wissens nach nicht. Nach strengen, nur an Quellen orientierten, "A"-Ansprüchen hätte ich mich also von meinem Traum von frischem Kuchen verabschieden können. Anmerkung am Rande: In einigen anderen Foren wurde übrigens über diese Kuchenfrage ernsthaft gestritten. Da war ich aber nicht der Auslöser.
Kurz, wir hätten sagen können: Keine Quellen = Keine Belege = Keine Darstellungsberechtigung = unglücklicher Eduard.

Haben wir aber bewusst nicht. Wir haben für UNS festgestellt, vom Know-how der damaligen Zeit wäre es MÖGLICH gewesen. Und auf die Idee hätte auch jemand kommen können. Also sind wir dort bewusst in den Bereich der Spekulationen gegangen und haben dann unsere PHANTASIE spielen lassen, wie so etwas wohl bewerktstelligt wurde. Denn ne Quelle für nen Lagerbackofen haben wir für unsere Zeit auch nicht gefunden.

Aber wir stellen auch immer klar, dass das eben rein spekulativ ist. Das können wir aber eben auch nur bei Nachfragen gewährleisten. Was sage ich immer? Nur sprechenden Menschen kann geholfen werden. Ich kann und mag mir auch, nicht andauernd, Gedanken darüber machen, was jeder einzelne Besucher, der auf einer reinen, mittelalterlichen Unterhaltungsveranstaltung, an unserem Lager vorbei geht, für historisch wahr empfindet oder auch eben nicht. Jedem Besucher muss eigentlich klar ein, dass so eine Veranstaltung eben keinen Anspruch auf historische Wahrheit erhebt, sondern, bestenfalls, ein idealisiertes Mittelalter dargestellt wird. Wer natürlich Filme wie "Ritter aus Leidenschaft" für eine historische Darstellung hält, der wird das wohl auch für ein "MPS" annehmen. Was soll ich dagegen machen?

Mir ist andererseits natürlich klar, aber auch recht egal, dass dieses Denkweise "Es hätte aber sein können, dass..." bei einigen Leuten total verpönt ist und ich damit, bei denen, direkt unten durch bin. Es ist eben unser Weg. Andererseits hatten wir bei unserem Backexperiment auch schon einen sehr interessierten Zuschauer, der uns nach einiger Zeit fragte, was wir denn da so treiben. Ich erzählte ihm das wir halt grade Kuchen backen und wie wir auf die Idee gekommen sind und wie es zu der, nochnicht ganz ausgereiften Umsetzung, dieser Idee kam. Der gute Mann hörte sich das alles an und meinte dann soetwas wie: "Super Fragestellung, super Gedanken und doch schon ne recht gelungene Umsetzung des ganzen. Darauf wäre ja nochnichtmals ich gekommen. Mag aber auch sein, dass es daran liegt, dass ich selber nicht so ein Kuchenfanatiker bin wie sie." Es stellte sich heraus, dass der Herr ein Prof der Geschichte war und unter anderem auf dem Feld der experimentellen Archeologie tätig war. Und von so jemandem für seine Darstellung und vorallem aber für die Einstellung zur Darstellung, ein positives Feedback zu erhalten, zeigte mir zumindestens eines. Nämlich, dass unser Weg, auch bei einigen Fachleuten, durchaus seine Daseinsberechtigung hat und somit nicht der allerfalscheste zu sein scheint. Und ganz ehrlich, wer freut sich von uns nicht über ein Lob, bei all der Kritik, die wir uns alle, bestimmt schon einmal anhören durften, egal wie gut wir sie auch wegstecken oder gar ignorieren können.

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-Die Gegenwart war die Zukunft der Vergangenheit-

http://ritterschaft-von-sollich.jimdo.com/

Roveena Offline




Beiträge: 466

20.11.2009 19:32
#12 RE: Was einmal seinen wird..... antworten

WOW, das nenne ich mal gelunden Eduard. Solche Überlegungen wir mit dem Kuchen finde ich machen doch gerade unser Lagerleben interessant. Es gibt nun mal Dinge, die wir nicht in Quellen finden können, aber von dem damaligen Stand her doch durchaus schon bestanden haben können. Die Definitionen zu eurer Darstellung auf eurer Homepage finde ich sehr gelungen. Da sind wir doch sehr wässerig in der Beschreibung unseres Lagers.

Swadde Spoekelbiester

https://spoekelbiester.wordpress.com/

Gast
Beiträge:

20.11.2009 21:37
#13 RE: Was einmal seinen wird..... antworten

@Eduard: Ich versuche mal die Abbildung eines Backofens auf einem "Handkarren" wieder zu finden. Leider weiß ich das Jahrhundert nicht mehr? Bei der Darstellung handelt es sich, glaube ich um einen Pasteten-Bäcker.
Kuchen esse ich auch auf Museum-VA´s, allerdings dann im Küchenzelt wo mich keiner sieht *gfg

Goschi Offline




Beiträge: 2.672

22.11.2009 23:53
#14 RE: Was einmal seinen wird..... antworten

Hübsch niedergeschrieben, ich könnte mich darüber sowieso nicht ereifern. Dennoch sind das immer die Kernfragen, woher kommen wir, wer sind wir und wohin gehen wir? oder so ähnlich
Ehrlich gesagt, bin ich mir bei meiner Darstellung - auch wenn ich konkrete Ziele habe, oft gar nicht so sicher, warum ich das tue. Klar man findet zwar Erklärungen wie, schöne Freizeitgestaltung, Freunde treffen, auf den Spuren der Vorfahren, handwerkeln und für die Besucher was darstellen, aber warum zieht man wirklich die Klamotten an? Warum lebt man wirklich ein paar Tage so? Ist es etwas Abenteuer, mal was anderes leben, wa sregt sich in einen da - genau weiß ich es nicht.

Es gibt auch noch andere Dinge und Hobbys, die mich interessieren - gerade denke ich mal, das beste daran ist nicht die Darstellung, sondern wie man damit sein Leben gestaltet, wie man damit umgeht. Aus diesen Grund finde ich auch die Gemeinsamkeiten von uns allen interessant und gut. Letzlich kommt es gar nicht darauf an, was der Einzelne genau macht. Wie schon von mir manchmal erwähnt ist für mich immer der Mensch die Bezugperson und nicht seine Klamotten oder sein Äßeres und schon gar nicht Arbeit oder Geldbeutel.
Es gibt schon genug Sch. (<Deutscher Begriff für Fäkalien) auf der Welt, als das man sich um sich um solche unwesentlichen Dinge ereifern müsste, die absolut bedeutungslos sind.
Auch diese Befürchtungen, Besucher oder Kinder könnten durch uns ein falsches Bild vom MA bekommen, sind naiv. Das kann nur solchen Leuten passieren, die daraus ein Hobby machen, solche Dinge zu finden, ein Normalo fällt darauf nicht herein. Täglich wird man von Dingen konfrontiert, die von der Norm abweichen, ohne das aus alles gleich etwas für die Geschichte abgeleitet werden muss.


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